Grundsätzliche Betrachtungen zum „Restaurieren“ alter Rundfunkgeräte.
Grundsätzlich sollten alle Veränderungen an einem historischen Gerät entweder originalgetreu oder reversibel durchgeführt werden.

Egal, unter welchem Blickwinkel man seine Geräte betrachtet, sei es von der Funktion her, vom Aussehen, vom Spaß am Reparieren oder Restaurieren, reversibles Handeln sollte obenan stehen.

Die Tätigkeit des Restaurators sollte den Gegenstand dem Originalzustand annähern und nicht entfernen.

Der Charme alter Radios entfaltet sich besonders, wenn Sie wieder funktionieren. Soll das Gerät funktionieren und man möchte sich z.B. an der Leistung oder an der nostalgischen Atmosphäre eines Radios der vergangenen Jahrzehnte erfreuen, wird man dies kaum mit absolut originalgetreuen Ersatzteilen schaffen. Die Kondensatoren als empfindlichstes Bauteil haben in den meisten Fällen ihren Geist aufgegeben.
Man kann nun nur die wichtigsten ersetzen, wie z.B. Netzteilkondensatoren oder Gitterkoppelkondensatoren, oder auch gleich alle, man möchte ja schließlich die beste Leistung aus dem Gerät herausholen. Diesen schauerlichen Vorgang nennt der Amerikaner "decappen" (von capaciator = Kondensator). Diesen Begriff verwendete stolz ein Sammlerkollege aus USA bei der "Restauration" eines Gerätes.

Das es sich hierbei nicht um "Restauration" handelt, ist dem Leser hoffentlich klar.

Was aber tun, wenn man nicht nur tote Kisten im Regal stehen haben möchte ?

Hier nun die Regel: alle Veränderungen reversibel = umkehrbar durchführen.

Das bedeutet z.B.: Den Blockkondensator nicht gleich herausreißen und wegwerfen, die Netzelkos im Gerät belassen und die neuen Kondensatoren unter dem Chassis verstecken, den Netzblock nur dann aushöhlen, wenn er sowieso schon gequollen und zerstört ist, den Gitterkondensator nur einendig loslöten und den Neuen dahinter verstecken usw. Wenn eines Tages das Gerät den Besitzer wechselt, der eine andere Philosophie verfolgt, kann es mehr oder weniger leicht in den Originalzustand zurückversetzt werden. Diese Methode erhält nicht nur den Originalzustand, sondern auch den Wert des Gerätes.

Alle Maßnahmen sollten die Geräte ihrem Originalzustand annähern und nicht noch weiter entfernen. Dies geschieht schon automatisch durch den „Zahn der Zeit“. Ich arbeite daher gerne mit Geräten in schlechtem Zustand. Alle meine Maßnahmen können diesen Zustand nur verbessern. Ein Gerät, bei dem alle Lötstellen noch lackiert und unberührt sind, kann ich durch meine Arbeit nur von seinem Originalzustand wegbringen.

Überdenken Sie auch einmal, wie oft Sie Geräte aus Ihrer sammlung in Betrieb nehmen. Lohnt es sich wirklich für die wenigen Minuten im Durchschnitt ein Gerät zu zerstören ?

Was ich hier am Beispiel der Kondensatoren geschildert habe, gilt natürlich für alle anderen Veränderungen am Gerät. Das Mindeste sollte sein, daß man die ersetzten Teile in einem Plastikbeutel dem Gerät beifügt.

Egal welche Philosophie man verfolgt: Restaurieren, Reparieren, spielbereit, nicht spielbereit, man sollte immer daran denken, daß jemand die Restauration entweder besser durchführen kann oder das Gerät wieder in den absoluten Originalzustand zurückversetzen möchte.

Also die Geräte nur so verändern, daß alle Änderungen umkehrbar , also reversibel sind. Wenn man bei seinem Hobby an diese Regel denkt, wird man schnell bemerken, daß sie leichter zu berücksichtigen ist, als Sie vielleicht nach meinem Aufsatz ahnen. Versuchen Sie es mal ! Potentielle Käufer oder Tauschkollegen werden es honorieren, "Bastlerleichen" gibt es genug auf den Flohmärkten.
 

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